IFO optimistischer - Fed sieht Unsicherheit

IFO optimistischer - Fed sieht Unsicherheit

Folker Hellmeyer  | 23.09.2020 10:01

Der Euro eröffnet heute gegenüber dem USD bei 1,1678 (06:28 Uhr), nachdem der Tiefstkurs der letzten 24 Handelsstunden bei 1,1673 im fernöstlichen Geschäft markiert wurde. Der USD stellt sich gegenüber dem JPY auf 105,08. In der Folge notiert EUR-JPY bei 122,71. EUR-CHF oszilliert bei 1,0761.

Nach der verstärkten Risikoaversion mit entsprechenden Marktfolgen kommt es in den letzten 24 Handelsstunden zu einer Gegenbewegung/Konsolidierung.


IFO-Institut fühlt Wirtschaftspuls

Die Corona-Krise lässt die deutsche Wirtschaft dem Ifo-Institut zufolge nicht so stark schrumpfen wie die globale Finanzkrise 2009 (-5,7% BIP). Das BIP dürfte laut IFO 2020 um 5,2% sinken (zuvor Prognose bei -6,7%). Aus dem Hause verlautete, dass der Absturz der deutschen Wirtschaft glimpflicher als gedacht verliefe. Mittlerweile sind die Münchner Ökonomen optimistischer als die Bundesregierung, deren Prognose bei -5,8% per 2020 liegt. 

Für 2021 wurde die Prognose reduziert. 2021 soll das BIP um 5,1% (zuvor um 6,4%) zulegen. Ende 2021 könne die Wirtschaft dann das Vorkrisenniveau erreichen. Ifo-Präsident Fuest warnte vor einer verfrühten Rückkehr zu einem ausgeglichenen Staatshaushalt. Es sei wichtig, den Aufschwung nicht durch verfrühte Konsolidierung der Staatsfinanzen zu bremsen. Eine Verpflichtung zur Rückkehr zu ausgeglichenen Haushalten sei perspektivisch wichtig. Wir stimmen voll zu.

Wir „freuen“ uns, dass das Ifo-Institut nach dem Wettlauf um Negativprognosen nun den Wettlauf um positiven Anpassungen anführt. Wir freuen uns, dass wir uns bei diesen quantitativen Übungen bewusst nicht beteiligt haben, sondern auf die qualitativen Merkmale verwiesen haben (u.a. administrierte Rezession), die das aktuelle Wirtschaftsumfeld implizierten und weiter implizieren.


Fed sieht Unsicherheit

Die Fed sieht die Wirtschaft trotz einer Erholung noch auf einen unsicheren Weg. Sie fordert neue Konjunkturhilfen der Politik. Fed-Chef Powell betonte gestern vor dem Kongress-Ausschuss für Finanzdienstleistungen im Repräsentantenhaus, dass eine vollständige Erholung erst zu erwarten sei, wenn das Virus unter Kontrolle sei. Korrekt!

Die Fed verpflichte sich weiterhin, die gesamte Bandbreite ihrer Instrumente so lange zu nutzen, wie es nötig sei. Fed-Chef Powell signalisierte, dass die Politik noch mehr zur Stabilisierung der Wirtschaft tun sollte. Er sagte, wahrscheinlich würde weitere fiskalische Unterstützung gebraucht. 

Die Fed liefert ihren Vollkaskoanteil. Die Forderung an den Staat zeigt, dass ohne fortgesetzte Staatshilfen konsumtiver Natur die Vollkaskopolitik der Fed am Ende für den US-Gesamtstaat nur eine Teilkaskoversicherung darstellte, die aus unserer Sichtweise nicht ausreichte, um quantitatives Wachstum dauerhaft zu ermöglichen. 

Die US-Staatsintervention im Rahmen der Defizitpolitik läuft seit 2009 (keine Strukturreformen!). Sie ist durch Covid-19 noch stärker notwendig. Die so genannte "Outperformance" der US-Wirtschaft hing und hängt kausal maßgeblich mit den öffentlichen US-Defiziten zusammen. Vom 1. Januar bis zum 21. September 2020 stellt sich das öffentliche Defizit der USA auf 3.593 Mrd. USD oder circa 17,5% des BIP (IWF-Prognose 2020 15,4%, IWF Prognose 2020 Eurozone 7,5%). Per 2019 ohne Covid-19 lag das Defizit bei 5,8% für 2,3% Wachstum. Selbsttragende Kräfte, die in der Eurozone gegeben waren und perspektivisch sind, sind in den USA nicht gegeben. 

Ja, Herr Powell hat Recht. Die Performance der US-Wirtschaft hängt von fiskalischer Stimulanz ab. Sie ist bitter nötig, um oberflächliche relativ starke Wachstumsimpressionen der US-Wirtschaft für Weltpolitik, US-Ratingagenturen, Medien und Märkte quantitativ anzubieten (neben kreativer Statistik). 

Das beachtliche qualitative Manko fällt opportunistischen Gepflogenheiten in westlichen Politiker- Medien- und Marktkreisen zum Opfer. Ist Opportunismus eine Tugend oder ein Laster? Schauen Sie diesbezüglich auch gerne auf die Geschichte Deutschlands im letzten Jahrhundert. Hat sich dort Opportunismus ultimativ als Lösung oder als massive Bürde erwiesen? Ist die US-Politik auf Dauer zukunftsfähig, wenn man gleichzeitig Finanz- und Wirtschafts- als auch Stellvertreterkriege führt und Partner als Feinde tituliert und ihre Souveränität angreift? 

Zurück zur Fed. Der Chef des Fed-Bezirks Chicago, Charles Evans, den ich sehr schätze, warnte, falls der Kongress kein Konjunkturpaket beschließe, riskiere er eine langsamere Erholung oder gar eine Rezession. Das ist nur konkludent, wenn man die Zeilen zuvor nicht überliest. Evans sagte, fiskalische Unterstützung sei einfach fundamental. So ist es, ohne wenn und ohne aber.

US-Finanzminister Mnuchin erklärte vor dem Kongress-Ausschuss, dass er trotz des im 3. Quartals zu erwartenden Wachstums Bedarf für ein Konjunkturpaket sehe. Nachdem das Parlament bisher Maßnahmen im Volumen von mehr als 3 Billionen USD zur Bekämpfung der Folgen der Corona-Pandemie genehmigte, lagen die politischen Lager zuletzt auseinander. Eine Verständigung ist notwendig, aber aktuell nicht absehbar.

Datenpotpourri der letzten 24 Handelsstunden

Eurozone: Verbrauchervertrauen legt zu

Der Index des Verbrauchervertrauens stieg per September von zuvor -14,7 auf -13,9 Punkte und markierte den höchsten Indexstand seit März 2020 (-11,6 Zähler). Der deutsche GfK-Konsumklimaindex verzeichnete per Berichtsmonat Oktober einen Anstieg von -1,7 auf -1,6 Punkte (Prognose -1,0).

UK: Enttäuschung beim Auftragseingang

Der vom CBI ermittelte Index für den britischen Auftragseingang der Industrie sank per September von zuvor -44 auf -48 Punkte. Die Prognose war bei -40 Zählern angesiedelt.

USA: Positive Datensätze!

Der Absatz zuvor genutzter Wohnimmobilien stellte sich in der auf das Jahr hochgerechneten Fassung auf 6,00 Mio. Objekte (Prognose 6,00 Mio.) nach zuvor 5,86 Mio. Immobilien. Der Richmond Fed Composite Index legte per Berichtsmonat September von zuvor 18 auf 21 Punkte zu und erreichte den höchsten Indexwert seit September 2018.

Japan: Zart positive Tendenz im Verarbeitenden Gewerbe

Der von der Jibun Bank ermittelte Einkaufsmanagerindex für das Verarbeitende Gewerbe nahm per Berichtsmonat September von 47,2 auf 47,3 Zähler zu.

Australien: Dynamikgewinn in Wirtschaft

Der Composite Einkaufsmanagerindex verzeichnete per September einen an stieg von zuvor 48,8 auf 50,5 Punkte (PMI des Verarbeitenden Gewerbes von 53,9 auf 55,5, Dienstleistungsindex von 48,1 auf 50,0).

Zusammenfassend ergibt sich ein Szenario, das den Euro gegenüber dem USD favorisiert. Ein Unterschreiten des Unterstützungsniveaus bei 1.1620 - 50 neutralisiert den positiven Bias des Euros.  

Bleiben Sie gesund, viel Erfolg!

© Folker Hellmeyer 
Chefanalyst der Solvecon Invest GmbH

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Folker Hellmeyer

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