Notenbanken geben Aktienbörsen erneut den Takt vor

Reuters

Veröffentlicht am 24.07.2016 14:01

Notenbanken geben Aktienbörsen erneut den Takt vor

- von Hakan Ersen

Frankfurt (Reuters) - Über Wohl und Wehe der internationalen Finanzmärkte entscheiden Börsianern zufolge in der neuen Woche die Notenbanken aus den USA und Japan.

Vor allem der Zinsentscheidung der Fed am Mittwoch fieberten Investoren entgegen, sagt Aktienstratege Tobias Basse von der NordLB. Zwar gelte eine Anhebung als ausgeschlossen. "Man wird aber auf die Details schauen." Interessant sei vor allem die Frage, ob jemand gegen die Beibehaltung des Schlüsselsatzes von 0,25 bis 0,5 Prozent gestimmt habe. Dies würde Spekulationen auf eine Straffung der US-Geldpolitik noch in diesem Jahr schüren.

Commerzbank-Analyst Christoph Balz sagt für Dezember eine US-Zinserhöhung voraus, gefolgt von zwei weiteren 2017. Voraussetzung hierfür sei allerdings ein Ausbleiben weiterer Börsenturbulenzen sowie eines anhaltenden Wachstums. Seit der US-Zinswende vom Dezember 2015, spekulieren Börsianer darüber, wann die Fed die nächste Zinserhöhung folgen lässt.

Die Beratungen der Bank von Japan (BoJ) am Freitag stehen dagegen unter umgekehrten Vorzeichen: "Eine weitere Lockerung der Geldpolitik liegt auf der Hand", schreibt Frederic Neumann, leitender Volkswirt der HSBC in einem Kommentar. "Die Märkte erwarten rasche und entschlossene Maßnahmen."

In der alten Woche gewann der Dax bis Freitagmittag unter anderem dank der Hoffnungen auf Konjunkturhilfen der Notenbanken rund ein Prozent. Damit legte er erstmals seit drei Monaten zwei Wochen hintereinander zu.

ITALIENISCHE INSTITUTE UND DEUTSCHE BANK IM FOKUS

Neben der Geldpolitik stehen die europäischen Banken erneut im Rampenlicht. Am Freitagabend (MESZ) sollen die Ergebnisse des Banken-Stresstests veröffentlicht werden. Die Bankenaufsicht EBA prüfte dabei 51 Institute auf ihre Krisenfestigkeit. Anders als bei der großen Überprüfung 2014 gibt es keine Mindesthürde für die Kapitalausstattung - damit kann formal auch kein Institut durchfallen.

Dennoch treiben die italienischen Geldhäuser vielen Investoren Sorgenfalten auf die Stirn, weil sie auf einem 360 Milliarden Euro hohen Berg fauler Kredite sitzen. Das ist etwa ein Drittel aller Problemdarlehen in der Euro-Zone. Die italienische Regierung bemüht sich seit Monaten um eine Einigung mit der EU über staatliche Beihilfen für die maroden Institute des Landes. "Nach dem Banken-Stresstest ist die EU gefordert", betont Niall Delventhal, Analyst des Brokerhauses DailyFX. "Ich bin optimistisch, dass eine Lösung gefunden wird."

Ein weiteres Sorgenkind ist die Deutsche Bank (DE:DBKGn), deren Chef John Cryan stets betont, dass sein Haus kein zusätzliches Kapital benötige. DailyFX-Experte Delventhal erwartete vom Stresstest allerdings keine bösen Überraschungen. Unabhängig davon legt die Deutsche Bank am Mittwoch ihre Quartalsbilanz vor. Analysten erwarten im Schnitt einen Mini-Gewinn von elf Millionen Euro.

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