Kanadas Marihuana-Industrie hat gerade diese 6-monatige Serie durchbrochen

Kanadas Marihuana-Industrie hat gerade diese 6-monatige Serie durchbrochen

The Motley Fool  | 03.12.2019 08:06

Kanadas Marihuana-Industrie hat gerade diese 6-monatige Serie durchbrochen

Marihuana war vermutlich die größte Investitionsmöglichkeit in der jüngsten Vergangenheit und die Wachstumsprognosen der Wall Street zeigen, dass das weiterhin der Fall ist. Obwohl die Schätzungen an der Wall Street sehr unterschiedlich in Bezug auf diese Branche sind, für die es keinen rechtlichen Präzedenzfall gibt, erwarten die meisten Analysten eine Summe zwischen 50 und 200 Mrd. US-Dollar an weltweitem Jahresumsatz in einem Jahrzehnt. Ein derart solides Wachstum würde den Anlegern sicherlich viele Möglichkeiten bieten, hiervon zu profitieren.

Es wurde erwartet, dass dieses Wachstum 2019 in Kanada voll zur Geltung kommt. Als erstes Land, das Freizeit-Cannabis legalisiert hat, liefert das Land eine Blaupause, der andere Länder folgen können.

Das erste Jahr verlief jedoch nicht wie geplant.

Der kanadische Cannabis-Absatz schrumpft seit September Jeden Monat, nächstes Mal am 22. Dezember, veröffentlicht Statistics Canada monatliche Einzelhandelsdaten für eine Vielzahl von Branchen im Land, einschließlich lizenzierter Cannabis-Läden. Die sind immer etwa 2,5 Monate alt, sodass die Agentur am vergangenen Freitag (22. November) die Einzelhandelsumsätze vom September meldete. Am bemerkenswertesten war, dass eine halbjährliche Serie sequenziellen Umsatzwachstums gerissen ist.

So sieht das lizenzierte Cannabis-Geschäft in den ersten 11,5 Monaten seit der Legalisierung aus (alle Zahlen in Kanadischen Dollar (CAD), mit US-Dollar-Gegenwert in Klammern):

  • Oktober: 53,68 Mio. CAD (40,38 Mio. US-Dollar), seit dem 17. Oktober.
  • November: 53,73 Mio. CAD (40,41 Mio. US-Dollar)
  • Dezember: 57,34 Mio. CAD (43,13 Mio. US-Dollar)
  • Januar: 54,88 Mio. CAD (41,28 Mio. US-Dollar)
  • Februar: 51,66 Mio. CAD (38,86 Mio. US-Dollar)
  • März: 60,94 Mio. CAD (45,84 Mio. US-Dollar)
  • April: 74,58 Mio. CAD (56,1 Mio. US-Dollar)
  • Mai: 85,81 Mio. CAD (64,54 Mio. US-Dollar)
  • Juni: 91,46 Mio. CAD (68,79 Mio. US-Dollar)
  • Juli: 107,36 Mio. CAD (80,75 Mio. US-Dollar)
  • August: 125,95 Mio. CAD (94,73 Mio. US-Dollar)
  • September: 122,93 Mio. CAD (92,46 Mio. US-Dollar)
Alles in allem sind das 940,32 Mio. Kanadische Dollar an Umsatz (707,27 Mio. US-Dollar) seit dem 17. Oktober und es sieht so aus, als wäre Kanada auf Kurs, etwas mehr als 1 Mrd. Kanadische Dollar in den ersten zwölf Monaten an Umsätzen seit der Legalisierung zu erzielen.

Aber wie bereits erwähnt, sanken die sequenziellen Quartalsumsätze im September gegenüber August um 3 Mio. CAD.

Drei Dinge laufen falsch in Kanadas Marihuana-Industrie Basierend auf dem schieren Volumen der Schwarzmarkt-Verkäufe ist es ziemlich offensichtlich, dass es eine große Nachfrage im Cannabis-Bereich gibt. Warum gelingt es den kanadischen Pot-Aktien nicht, diese Nachfrage erfolgreich zu bedienen? Darauf scheint es drei Antworten zu geben.

Ein Teil der Schuld liegt bei der Regulierungsbehörde Health Canada, die mit einem wahnsinnig großen Rückstand bei Anbau-, Verarbeitungs- und Verkaufslizenzanträgen zu kämpfen hatte. Die Hoffnung war, dass kanadische Cannabis-Unternehmen ihre Anträge einreichen und die Genehmigung zum Anbau und Verkauf von Marihuana ziemlich schnell erhalten würden. Leider war das bei Weitem nicht der Fall. Anfang dieses Monats erhielt Aphria (TSX:APHA) nach mindestens 18-monatiger Wartezeit grünes Licht für die Errichtung des Joint Ventures Aphria Diamond Facility.

Dazu kommt, dass Health Canada auch die Einführung derivativer Cannabis-Produkte wie Vapes, Getränke und Lebensmittel verzögerte. Die Anbaubetriebe und die Wall Street hatten spätestens im Oktober mit einer Einführung gerechnet. Diese margenstärkeren Produkte werden jedoch erst Mitte Dezember in den Verkaufsregalen der Apotheken stehen.

Zweitens haben bestimmte Provinzen der Branche geschadet, indem sie die Einführung von physischen Apotheken verzögert haben. Das heute bekannteste Beispiel ist die bevölkerungsreichste Provinz Kanadas, Ontario, in der rund 38 % der Bevölkerung des Landes leben. Ontario hatte nur zwei Dutzend physischen Einzelhandelsstandorten erlaubt, den Betrieb aufzunehmen, und das im ganzen Jahr seit der Legalisierung. Das ist ein Laden pro 604.200 Einwohner. Mit so wenigen legalen Kaufoptionen, die es gibt, kann sich der Schwarzmarkt auch in einem legalisierten Umfeld weiter gut entwickeln.

Schließlich gibt es den Schwarzmarkt selbst, der legales Marihuana leicht im Preis unterbietet. Statistics Canada meldete kürzlich, dass illegales Cannabis im dritten Quartal 45,4 % pro Gramm billiger war als legales Cannabis. Da illegale Produzenten sich keine Sorgen um die kanadische Verbrauchssteuer oder die Lizenzierung machen müssen, war es für Pot-Firmen fast unmöglich, über den Preis zu konkurrieren.

Kanadische Pot-Aktien passen die Erwartungen an Da die Versorgung auf absehbare Zeit eindeutig ein Problemthema sein wird, haben die kanadischen Marihuana-Aktien begonnen, ihre Erwartungen an das schwierige Marktumfeld anzupassen.

Für einige bedeutet dies, dass sie die Produktion reduzieren, um die Kosten zu senken. Aurora Cannabis (TSX:ACB) (WKN:A12GS7), die beliebteste Aktie der Online-Investitionsapp Robinhood, hat kürzlich angekündigt, den Bau von Aurora Nordic 2 in Dänemark und Aurora Sun in Alberta, Kanada, auszusetzen, um das Kapital zu behalten. Aurora hatte erwartet, dass diese Projekte bis Mitte 2020 ihre jährliche Spitzenleistung von mindestens 120.000 kg bzw. 230.000 kg erreichen würden. Jetzt rechnet Aurora damit, dass bei Aurora Sun für das Geschäftsjahr 2020 nur sechs Anbauräume in Betrieb sein werden. Insgesamt wurde die prognostizierte Spitzenleistung von Aurora bis zum Ende des Geschäftsjahres 2020 halbiert.

Einige Cannabis-Aktien sind noch weiter gegangen und haben beschlossen, Arbeitsplätze abzubauen. Die in Quebec ansässige HEXO (WKN:A2N455) gab im Rahmen der operativen Freigabe zum vierten Quartal bekannt, dass sie sich von 200 Mitarbeitern aus verschiedenen Abteilungen trennen werde. Das kommt zu den Plänen von HEXO hinzu, seine Niagara-Farm stillzulegen, die das Unternehmen mit dem Kauf von Newstrike Brands erworben hat. Das Management von HEXO nannte den Mangel an physischen Apotheken, den geringen Verkaufspreis für Freizeit-Pot und die verzögerte Einführung von Derivaten als Ursachen für die jüngsten Probleme.

Und dann ist da noch OrganiGram Holdings (WKN:A12AQF), das sich einfach entschieden hat, die Prognosen an die Situation anzupassen. OrganiGram hat viele positive Ansätze, darunter den Abschluss von Lieferverträgen mit allen kanadischen Provinzen und einige der höchsten Ernteerträge der gesamten Branche. Aber trotzdem veranlasste die verzögerte Einführung von Derivaten und die Unfähigkeit von Ontario, Einzelhandelsgeschäfte zu lizenzieren, OrganiGram dazu, einen sequenziellen Quartalsumsatzrückgang von etwa 34 % zum vierten Quartal des Geschäftsjahres zu prognostizieren.

Es besteht kein Zweifel, dass Marihuana-Aktien eine heiße Investition in den kommenden Quartalen bleiben werden, aber diese Wachstumsthese wird sicherlich noch auf weitere Probleme stoßen.

Dieser Artikel wurde von Sean Williams auf Englisch verfasst und am 27.11.2019 auf Fool.com veröffentlicht. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.

The Motley Fool empfiehlt HEXO und OrganiGram Holdings.

Motley Fool Deutschland 2019

Dieser Artikel erschien zuerst auf The Motley Fool

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