JMMC hält sich bedeckt: 6 Faktoren für die OPEC-Sitzung und wie reagiert der Ölpreis?

JMMC hält sich bedeckt: 6 Faktoren für die OPEC-Sitzung und wie reagiert der Ölpreis?

Ellen R. Wald, Ph.D.  | 20.11.2020 08:14

Der ministeriale Überwachungsausschuss der OPEC+ (Ministerial Monitoring Committee, JMMC) trat am Dienstag, dem 17. November, zusammen, gab jedoch keine offizielle politische Empfehlung ab. Die Vollversammlungen von OPEC und OPEC+ ist für den 30. November und den folgenden Tag, den 1. Dezember, anberaumt. Ohne Vorgaben des JMMC ist jedoch unklar, was die OPEC+ beschließen wird.

Derzeit schickt sich die OPEC+ offiziell an, ab dem 1. Januar weitere 2 Millionen bpd in den Markt zu pumpen. Mehrere Mitglieder, darunter Saudi-Arabien, versuchen jedoch, diese geplante Erhöhung um drei oder möglicherweise sechs Monate zu verschieben.

WTI (weekly)

Die Entscheidung wird sich auf den Ölmarkt und natürlich auch im Preis von Rohöl niederschlagen.

Die folgenden sechs Dinge müssen Händler jetzt beachten:

1. Der Hauptgrund für die Verschiebung dieses Produktionsanstiegs besteht darin, negative Auswirkungen auf die Ölpreise zu vermeiden. Die Nachfrage in Europa und den USA in diesem Winter gibt ein beunruhigendes Bild ab. Wirtschaftliche Stillstände in Europas größten Volkswirtschaften und wachsende Beschränkungen in großen US-Städten führen dazu, dass Verbraucher ihre Reisen einschränken und die Nachfrage drosseln.

Ja, die Ölpreise haben zum Beginn der letzten Woche endlich einen Trend nach oben aufgebaut, dank der jüngsten positiven Nachrichten über Coronavirus-Impfstoffe, aber viele sehen den Markt immer noch von einer geringen Nachfrage bedroht. Saudi-Arabien ist eindeutig besorgt darüber, dass 2 Millionen bpd mehr in dieser Situation, wie der saudische Ölminister es formulierte „den Märkten eine Entschuldigung bieten würde, negativ zu reagieren.“

2. Angenommen, die OPEC+ beschließt eine Verschiebung der Produktionserhöhung, dann sollten die Händler zwei Fragen stellen

Wäre das eine Verzögerung von 3 oder 6 Monaten? Und die zweite Frage lautet: kann es eine Vertagung der Produktionserhöhung durch die OPEC+ schaffen, einen Rückgang der Ölpreise zu verhindern?

3. Russland ist innerhalb der OPEC+ wohl ebenso mächtig wie Saudi-Arabien (wenn nicht mächtiger), daher ist es wichtig zu verstehen, was Russland über all dies denkt. Russland scheint mit Blick auf die Verschiebung der Fördererhöhung um 2 Millionen bpd an Bord zu sein, aber es ist unklar, wie lange dies für Russland akzeptabel wäre.

Saudi-Arabien möchte Russland wahrscheinlich bis Juni (6 Monate) an ein Abkommen binden, damit sich der Ölstaat darauf konzentrieren kann, Überproduzenten zu einer Anpassung ihrer Fördermenge zu drängen. Es ist jedoch nicht klar, ob eine Verlängerung um sechs Monate auch im Interesse Russlands liegt, und das Land tendiert dazu, kurzfristigere Verpflichtungen zu bevorzugen.

Vielleicht wegen des mangelnden Engagements Russlands äußerte sich der saudi-arabische Ölminister skeptisch bezüglich einer möglichen Verzögerung, als er sagte, dass sich die Marktsituation „von Tag zu Tag“ ändern und der Markt sei zu stark im Flow, um politische Empfehlungen abzugeben.

4. Ein längerer Deal (Verschiebung) ist besser für die Marktstabilität. Dies wäre auf der Angebotsseite besonders nützlich, da die Nachfragesituation derzeit so ungewiss ist.

Die OPEC+ kann den Ölpreis mit ihrer Politik wahrscheinlich nicht anheben, aber die längerfristigen Leitlinien der OPEC+ können dazu beitragen, die Preise stabil zu halten.

5. Die kürzlich gestiegene Förderung in Libyen wird die Angelegenheit komplizieren. Derzeit ist Libyen von der OPEC+ von den Produktionsquoten freigestellt, da Libyen in einem Bürgerkrieg verstrickt war. Die Ausnahme für Libyen ist beendet, sobald sie ein Produktionsniveau von 1,114 Mio. bpd erreicht hat. Die libysche nationale Ölgesellschaft The National Oil Corporation geht davon aus, dass es bald soweit sein wird.

Sie erwartet, die Schwelle von 1,3 Mio. bpd zum Jahresanfang 2021 zu erreichen. Die OPEC + muss dies berücksichtigen, wenn sie entscheidet, ob sie die Erhöhung um 2 Millionen bpd umsetzt oder um 3 oder 6 Monate verschiebt. Wenn die OPEC+ die Produktionserhöhung durchzieht, wird die libysche Produktion mehr als die Hälfte davon ausmachen.

Falls die OPEC+ sie um 3 Monate verschiebt, kann sie die Situation in Libyen im März neu bewerten. Beschließt die OPEC+ eine Verschiebung um 6 Monate, wird es wahrscheinlich notwendig werden, das Thema Libyen irgendwann im neuen Jahr in Sondergesprächen zu behandeln.

6. Wie in jeder Marktsituation ist es wichtig zu untersuchen, was bereits im Markt berücksichtigt wurde. Es scheint, dass im aktuellen Ölpreis bereits eine dreimonatige Verzögerung der Produktionssteigerungen berücksichtigt ist.

Wenn die OPEC+ keine Verschiebung beschließt und stattdessen mit Beginn des neuen Jahres eine Erhöhung um 2 Mio. bpd zulässt, sollten die Preise fallen. Wenn die OPEC+ eine Verschiebung um 6 Monate festlegt, könnten die Preise steigen, aber nicht signifikant und kein Anstieg wäre von Dauer.

Eine Verzögerung um 6 Monate würde den Markt jedoch wahrscheinlich ein wenig beruhigen. Dies würde auch dazu beitragen, im ersten Halbjahr 2021 eine erhöhte Preisvolatilität zu verhindern.

Ellen R. Wald, Ph.D.

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alfred tappeiner
alfred tappeiner

Sehr interessant dieser Artilel, aber bekanntlich in der Kürze liegt die Würze   ... (Weiterlesen)

22.11.2020 16:26 GMT· Antwort
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