Alarmstufe rot in den USA: Diese Charts müssen Sie auf dem Schirm haben

Alarmstufe rot in den USA: Diese Charts müssen Sie auf dem Schirm haben

Investing.com  | 15.07.2019 13:14

Investing.com - Die US-Wirtschaft erlebt gerade den längsten Konjunkturaufschwung in der Geschichte, aber die Anzeichen für eine Trendwende mehren sich. So ist der von der New York Fed berechnete Rezessionsindikator im Juni über die wichtige Hürde von 30 Prozent gesprungen.

"Seit 1960 folgte jedes Mal eine Rezession, wenn dieser Indikator die Marke von 30 Prozent überschritt", schrieb Lisa Shalett, Vermögensverwalterin bei der US-Großbank Morgan Stanley (NYSE:MS) in einer Kundennotiz. Im Juni stieg die Wahrscheinlichkeit für ein solches Szenario auf 32,9 Prozent.

Rezessionsindikator der NY Fed auf Grundlage des US-Renditespreads

Ein weiterer Indikator, der die Rezessionsgefahren in den USA unterstreicht, ist der Renditespread zwischen den dreimonatigen und zehnjährigen US-Staatsanleihen, der sich zwar in den vergangenen Tagen dank besser als erwarteter Inflationszahlen wieder etwas verengt hat, aber dennoch invertiert bleibt - und das schon bald den zweiten Monat in Folge.

Spread der dreimonatigen und zehnjährigen US-Renditen

Eine Inversion der Zinskurve gilt als zuverlässiges Signal für eine heraufziehende Rezession, sofern sie für 3 Monate invertiert bleibt. Im Durchschnitt kam es 311 Tage später zu einer Rezession in den USA.

Im nachfolgenden Chart der New York Fed sehen Sie den o.g. Spread im historischen Kontext. Die grau hinterlegten Balken markieren eine Rezession. Wie Sie im untenstehenden Chart sehen können, folge nach einer längeren Inversionsphase eine Rezession, mit einer miserablen Performance der Aktienmärkte.

Spread der dreimonatigen und zehnjährigen Rendite - New York Fed

Ein weiteres Zeichen dafür, dass die US-Wirtschaft nicht mehr so rund läuft, wie das die Aktienmärkte gerade suggerieren, ist der von der New York Fed erhobene Produktionsindex - Empire State Index -, der im Juni mit -8,6 auf den tiefsten Stand seit Mai 2016 fiel und damit in den Kontraktionsbereich rutschte.

Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer, wie man im Schaubild sehen kann, aber eine Serie von Negativzahlen beim Empire State Index, könnte die Furcht vor einer ausgewachsenen Rezession zusätzlich verstärken. Deshalb liegt heute Nachmittag das Augenmerk auf diesem Indikator und eine wiederholt schwache Zahl, könnte den Rezessionsindikator der Fed weiter nach oben befördern und damit den Aktienmärkten den Wind aus den Segeln nehmen.

Empire State Index der New York Fed

Hinweis: Der Empire State Manufacturing Index misst die Lage im produzierenden Gewerbe im Bundesstaat New York. Es werden Fragebögen an 200 Hersteller in New York geschickt. Indexwerte über 0 signalisieren eine positive Geschäftsentwicklung der Industriebetriebe im Vergleich zum Vormonat, während bei einem Fall unter 0 mit einer negativen Geschäftsentwicklung zu rechnen ist.

Ein weiterer Chart, der die gefährliche Situation untermauert, in der wie uns befinden, kommt von Markit. Was Sie hier sehen, ist ein breit angelegter Abschwung des verarbeitenden Gewerbes in den vergangenen 18 Monaten. Zwar liegt der Einkaufsmanagerindex aus den Vereinigten Staaten noch über der Wachstumsschwelle von 50, aber es braucht nicht viel, um diesen darunter zu befördern z.B. geringe Fortschritte bei den Handelsverhandlungen zwischen den USA und China, Eskalation im Handelsstreit zwischen den USA und Europa, Krieg zwischen den Iran und den USA usw.

G7 Manufacturing PMIs (Einkaufsmanagerindizes) - Quelle: FactSet

Ein Mahnmal an alle, die noch ihr ganzes Geld im Aktienmarkt geparkt haben, stellt außerdem der Eurodollar-Future, der die Markterwartungen an die Zinssätze für dreimonatige Eurodollar-Einlagen zu festgelegten Terminen in der Zukunft widerspiegelt.

In einer Kundennotiz schrieb das Research der Deutschen Bank (DE:DBKGn), dass die Positionierungen im Eurodollar-Future seit mehr als einem Jahr kontinuierlich gestiegen seien und nun ein Niveau erreicht hätten, dass zuletzt während der europäischen Schuldenkrise und der großen Finanzkrise 2007 bis 2009 beobachtet wurde.

Netto-Longpositionen auf den dreimonatigen Eurodollar-Future

Und was bedeutet das nun für den Aktienmarkt?

Die US-Indizes in Form von Dow Jones, S&P 500 und Nasdaq sind in der vergangenen Woche allesamt auf neue Rekordhochs geklettert, angetrieben von der Aussicht auf weiterhin billiges Geld der Notenbank Federal Reserve. Freilich kann niemand ein Top zuverlässig vorhersagen, aber die Signale sind da, dass es bald so weit sein könnte.

Dow Jones, S&P 500 und Nasdaq auf Rekordjagd

So zeigt der von zerohedge bereitgestellte Vergleichschart, dass sich die aktuelle Situation mehr und mehr der aus dem Jahr 1987 ähnelt, als die US-Indizes Ende Oktober dynamisch nach unten gegangen waren. Wie Sie der Grafik entnehmen können, bestünde noch etwas Platz für eine finale Aufwärtsbewegung bei den US-Indizes, um dann allmählich die Trendwende zu beginnen.

Vergleichschart Situation von heute mit 1987 - Quelle: zerohedge

Zur Vorsicht mahnt auch der Fear & Greed Index von CNN Money der mittlerweile auf 64 gestiegen ist und damit eine "Gier" der Marktteilnehmer anzeigt.

Fear & Greed Index von CNN Money

Aber auch hier gilt: er kann freilich noch weiter steigen, aber Werte in der Nähe von 80, sollten Sie vorsichtiger werden lassen. Schließlich würde der Index damit wieder in der Nähe von Oktober 2018 notieren, als die US-Indizes in den Sinkflug übergingen.

Fear & Greed Index von CNN Money im Zeitverlauf

Ich will damit keinen Crash im Oktober vorhersagen, aber Gewinnmitnahmen haben noch niemanden geschadet, insbesondere nicht, wenn Sie schon lange am Aktienmarkt dabei sind und entsprechend große Gewinne eingefahren haben.

Was wäre ein (!) Alternativinvestment (es gibt natürlich auch noch andere, wie defensive Aktien)?

Die Gold-Silber-Ratio notiert mittlerweile auf dem höchsten Stand seit 1992 und somit benötigt ein Edelmetallanleger aktuell mehr als 92 Unzen Silber, um eine Unze Gold zu kaufen. Das bedeutet, Silber ist im Verhältnis zu Gold günstig - historisch günstig - weshalb Sie es zumindest auf Ihre Watchlist setzen sollten.

Freilich kann es auch sein, dass der Goldpreis verliert und sich somit die Ratio wieder normalisiert, aber angesichts der o.g. Warnsignale aus den USA, liegt die Wahrscheinlichkeit höher, dass Gold und Silber auch noch für einige Monate gefragte Anlagen bleiben, mit Silber in der Pole Position für eine Rallye, um verlorenen Boden gegenüber Gold wieder gutzumachen.

Gold-Silber-Ratio auf höchsten Stand seit 1992

Viel Erfolg bei der Anlage wünscht,

Robert Zach

Lesen Sie auch: Die vier Reiter der Apokalypse

Investing.com

Verwandte Beiträge

Aktuelle Kommentare

Kommentar schreiben
Warten Sie bitte eine Minute bis zur erneuten Abgabe Ihres Kommentars.
Kurt Donderer
Kurt Donderer

Wirklich guter Beitrag . Einleuchtend rüber gebracht . Diese Dinge kriegt man sonst so nicht gesagt . Danke weiter so .  ... (Weiterlesen)

16.07.2019 05:34 GMT· Antwort
Thoma Thoma
Thoma Thoma

sehr gut  ... (Weiterlesen)

16.07.2019 05:29 GMT· Antwort
Jo Richman
Jo Richman

sehr gut geschrieben und recherchiert... toller Artikel.. und er zeigt das kommende Szenario sehr schön auf  ... (Weiterlesen)

15.07.2019 12:25 GMT· Antwort
Roberto Rogler
Roberto Rogler

Das ist nicht richtig. Investieren heißt langfristig dableiben über 10 oder 30 Jahre   ... (Weiterlesen)

15.07.2019 12:04 GMT· 1 · Antwort
Diskussion
Antwort schreiben ...
Warten Sie bitte eine Minute bis zur erneuten Abgabe Ihres Kommentars.

Der Handel mit Finanzinstrumenten und/oder Kryptowährungen birgt hohe Risiken. Sie können Ihren Kapitaleinsatz vollständig oder teilweise verlieren. Die Kurse von Kryptowährungen sind extrem volatil und können von externen Faktoren wie finanziellen, regulatorischen oder politischen Ereignissen beeinflusst werden. Der Handel auf Margin erhöht das finanzielle Risiko.
Stellen Sie unbedingt sicher, dass Sie die mit dem Handel der Finanzinstrumente und/oder Kryptowährungen verbundenen Risiken vollständig verstanden haben und lassen Sie sich gegebenenfalls von einer unabhängigen und sachkundigen Person oder Institution beraten, bevor Sie den Handel aufnehmen.
Fusion Media möchte Sie daran erinnern, dass die auf dieser Internetseite enthaltenen Kurse/Daten nicht unbedingt in Realtime oder genau sind. Alle Daten und Kurse werden nicht notwendigerweise von Börsen, sondern von Market-Makern bereitgestellt, so dass die Kurse möglicherweise nicht genau sind und vom tatsächlichen Marktpreis abweichen können, was bedeutet, dass die Kurse indikativ und nicht für Handelszwecke geeignet sind. Fusion Media und andere Datenanbieter übernehmen daher keine Verantwortung für etwaige Handelsverluste, die Ihnen durch die Verwendung dieser Daten entstehen könnten.
Es ist verboten, die auf dieser Website enthaltenen Daten ohne die vorherige schriftliche Zustimmung von Fusion Media und/oder des Datenanbieters zu verwenden, zu speichern, zu reproduzieren, anzuzeigen, zu ändern, zu übertragen oder zu verteilen. Alle Rechte am geistigen Eigentum sind den Anbietern und/oder der Börse vorbehalten, die auf dieser Website enthaltenen Daten bereitstellen.
Fusion Media kann von den Werbetreibenden, die sich auf der Website befinden, anhand Ihrer Interaktion mit den Werbeanzeigen oder Werbetreibenden vergütet werden.

English (USA) English (UK) English (India) English (Canada) English (Australia) English (South Africa) English (Philippines) English (Nigeria) Español (España) Español (México) Français Italiano Nederlands Português (Portugal) Polski Português (Brasil) Русский Türkçe ‏العربية‏ Ελληνικά Svenska Suomi עברית 日本語 한국어 中文 香港 Bahasa Indonesia Bahasa Melayu ไทย Tiếng Việt हिंदी
Abmelden
Sind Sie sicher, dass Sie sich abmelden möchten?
NeinJa
AbbrechenJa
Veränderung wird gespeichert

+